Statt „Mobile First“ besser „Human First“ – Talk beim Solutions-Kongress ( #shh16 http://solutions.hamburg ) — Dank an @pktweets @seroz62

„Mit Mobile First in die Zukunft – wohin geht die Reise?“ war der Titel der am 7.9.16 von Patrick Klingberg, CEO Artaxo GmbH, organisierten und moderierten Podiumsdiskussion im Rahmen des diesjährigen Solutions-Kongresses in Hamburg. Und (mit Dank für die Panel-Einladung an Patrick!) hier mein Kommentar zu meiner These als Teilnehmer im Expertenpanel dieser Podiumsdiskussion: Ich denke, statt „Mobile First“ gilt eher „Human First“.

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Mobile first? Warum?

Bei der Entwicklung von Kommunikation und Social Media taucht öfters die Frage auf, welche Gewichtung zu setzen wäre. Mobiles Kommunikation-Verhalten und betreffende Mediennutzung werden in Vergleich gesetzt mit nicht-mobiler Kommunikation, also mit der Kommunikation vom Desktoprechner aus. Und es zeigt sich immer deutlicher, dass mehr und mehr Menschen sowohl Web-Nutzung als auch Messaging, Emailverkehr und weitere Kommunikation von unterwegs machen, per Smartphone (oder ggf. auch Tablet). Je jünger die Generation, desto deutlicher überwiegt die mobile Nutzung, und die dementsprechenden Medien und Angebote formieren sich zum Mobile Web (das nichtsdestotrotz oft „nur“ eine mobile Version bestehender Websites ist).

Es geht um „Human First“, weil Technologien nicht vom Himmel fallen, sondern eher von uns Menschen gemacht werden.

Es sind immer Menschen, die eine Technologie und ihre Möglichkeiten entdecken, voranbringen, produzieren, kaufen oder einsetzen oder konsumieren – denn unsere unbewussten und bewussten Bedürfnisse (Sehnsüchte, Ängste, Suchten, Wünsche, Freuden, …) sind die Ursache für den Einsatz der Technologien.

„Mobile“ ist nur eine von vielen noch kommenden Technologie-Varianten und -Gewichtungen. Genauso wie das Mobile Web heute noch überwiegend „statische“ Websites darstellt, nur mit etwas vergrößerter Schrift und auf Touchscreen-Nutzung angepasster Navigation so wird eben dieses mobile Darstellen statischer Websites verschwinden zugnsten komplett interaktiver und teils spielerischer ausgerichteter und nutzbarer Angebote für Kommunikation, Informationsbedarf und Konsummöglichkeiten.

 

Webpages = digitales zweidimensionales Papier

Noch werden die Inhalte eher „statisch“ dargestellter Websites annähernd genaus genutzt wie die meisten Menschen ein auf dem Tisch liegendes Blatt Papier nutzen würden: Von oben nach unten lesen, ggf. Teile des Textes hervorheben oder als Ausriss aufheben (= per Bookmark / Favorit merken) oder jemandem zum Lesen weitergeben (Linksharing). Und nicht umsonst sagen übrigens viele Deutsche „Webseite“, weil der dargestellte jeweilige Inhalt einer „Web-Site“, also eines „Ortes im Web“, nicht als Teil des „Ortes“ empfunden wird, sondern weil stattdessen die einzelne „Seite“ an diesem Ort vorgemerkt und als relevant empfunden wird.

Diese physische Analogie zu „Papier-Seite“ dürfte in den nächsten Jahren (7 – 15 Jahre ca.) für zunehmend mehr Websites weniger relevant werden: Es wird soweit sein, wenn die ersten wirklich eleganten tragbaren Datenbrillen so leicht nutzbar werden wir die normale Sonnenbrille und nicht mehr so klobig daherkommen wie etwa Sonys SmartEyeglass oder Microsofts HoloLens (deren Leistungen wirklich verblüffende Qualität haben, wie ich am 7.7. abends beim abendlichen Solutions-Speakersevent erfahren durfte dank Robert Zores ( @seroz62 ) von REWE, der exklusiv zum Testen eine HoloLens dabei hatte).

Mit der breiteren Nutzung dieser Augmented Reality-Geräte werden wir eventuell bald eine ähnliche Medienumwelt erleben, wie sie Keiichi Matsuda mit dem Film „Hyper-Reality“ – Das Web und die darin nutzbaren Angebote werden nicht mehr nur zweidimensional sondern 3D oder 4D sein, also räumlich-zeitlich umfassend und uns als Nutzer umgeben – somit wird das Bild der zweidimensionalen „Web-Seite“ in den Hintergrund treten:


HYPER-REALITY from Keiichi Matsuda on Vimeo.

 

Trotz aller technologischen Innovation sind es nach wie vor die Menschen, die die Technologien nutzen oder verändern. Darum gilt zwar für die betreffende Zeit, dass wir dieser Veränderung der Nutzung hin zu einer mobilen Digitalmedien-Nutzung in Wirtschaft und Medienkreation Rechnung tragen müssen, es gilt jedoch viel mehr:

 

Mobile Nutzung, sei sie nun zweidimensional, 3- oder 4-dimensional oder irgendwann „intra-brain-dimensional“ und „neuroconnected-dimensional“, wird bestimmt von den Bedürfnissen und Präferenzen von uns Menschen.

Und diese grundlegenden unbewusst getriebenen Bedürfnisse sind so alt wie die Menschheit. Sie existieren, seitdem unsere Vorfahren in der Steinzeit in ihren kleinen Familienclans am Feuer zusammensaßen oder durch die Natur wanderten – Sozialer Zusammenhalt und sozialer Rang, Politik bis Diplomatie, soziale Transparenz (Privatsphäre gab es damals nur wenig) und kulturelles bis spirituelles Erleben der Gegenwart, Vergangenheit und Planen der Zukunft.

Diese Urbedürfnisse werden sich so schnell nicht ändern. Sie bestimmen, wie wir die Gegenwart und Zukunft gestalten und erleben, nahezu egal, mit welcher Art Medien. Sie bestimmen auch die digitale Transformation und Evolution von Wirtschaft und Gesellschaft, Medien, Politik und Kultur.

 

Wir leben gewissermaßen vom emotional-psychologischen Verhaltensgen her immer noch in der Steinzeit – nur hantieren wir mit digitalen Werkzeugen.

Dennoch entwickeln sich die modernen Technologien viel schneller, als wir in unseren sozialen Erbanlagen und Traditionen Schritt halten können (sichtbar vielerorts, ob in der Politik und ihren Extremen oder in der oft zögerlichen Akzeptanz von Wandel an sich bis hin zur Nahrungskonkurrenz-Angst vor anderen „Volksstämmen“).

Nutzen wir diese Erkenntnis – auf geht`s! Gestalten wir Gegenwart und Zukunft durch Erkennen unserer eigenen Fähigkeiten und Geschwindigleiten. Und bedeutet vielleicht auch, dass wir uns in manchen Dingen etwas langsamer und etwas weitsichtiger entwickeln.

 

„Human Spirit first“ statt „Technology first“

… weil erst wir Menschen die Technologien und den Geist der Zukunft zur Wirklichkeit machen.

 

Testimonials

Aktuelles Thema, gut recherchiert und auf den Punkt gebracht, der Hitze angemessene Location (mitten in der City mit Wasserspiel 😉 ) mit netten Gästen und interessanten Gesprächen. Bis zum nächsten Mal …
Johannes C. Adari, HDI - Teilnehmer Trade Wars-Trendtalk 2018

Events

Einladung zum Trendtalk: Save the Date: 07.11.2019

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Rückblick:
Zum 91. Trendtalk vom 1.8.2019 mit Thema "Nachhaltiges Fintech, Öko-Finanz & -Banking" hier die Präsentation zum Download sowie ein Kurzinterview mit Max Klar, Generation Z, auf YouTube:

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