Bessere Fails – der Wert fehlerfreier Marken-Namen

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Kommentar zum Beitrag von Georg Dahm, Geschäftsführer, Fail Better Media GmbH, zum Start-up-Crash von Fail Better Media und dem Magazin „Substanz“, zu lesen hier auf XING: „Wir haben zu viel gewollt“

 

Psychologie und Unterbewusstsein sind starke Förderer oder auch Störer für die Marken-Akzeptanz: Besonders für Startups in Deutschland.

Ich erinnere mich an den klasse Beitrag der beiden Fail Better Media-Gründer am 6.2.2014 als Speaker beim trendtalk zur Zukunft der Zeitung . Wir sprachen damals am Rande der Veranstaltung dann auch kurz über den Namen „Fail Better Media“. Und ich war in dem Gespräch vor 2 Jahren schon etwas skeptisch des Namens wegen. Denn gerade in Deutschland, als ein Land mit einer Mentalität, die teils doch ganz schön perfektionistisch und werteorientiert ist, ist der Name einer Marke ganz besonders wichtig:

 

Und unsere Mentalität im Lande tut sich leider manchmal etwas schwer mit Neustarts und Ausprobieren.

Wer Fehler macht, muss beweisen, dass er trotzdem gewinnt. Fehler-Kultur lernen wir Deutschen quasi gerade erst diese vergangenen letzten und auch die kommenden Jahre. Und auch, wenn die in Social Media tätigen Menschen, wie auch jene, die in Medien- und IT-Branchen arbeiten, schon recht früh agile Produktions-Zyklen genutzt und als effizienter akzeptiert haben (inklusive der dazugehörenden Fehlerkultur) – Ähnliche Erlebnisse und Diskussionen gab es bereits Anfang der 2000er zum Platzen der Dotcom-Blase. Während im englischsprachigen Ausland und besonders im Silicon Valley und Co. ständig auch Neu-Erfindungen stattfanden und Gründer ihre Chancen neu wahrnahmen, wurde hier in Deutschland nahezu jeder Unternehmer, der Fehler machte oder sein Startup an die Wand fuhr, eher mit Nicht-Achtung bestraft oder bekam gleich das Looser-Image. Diese Einstellung hat sich zwar in den letzten Jahren Schritt für Schritt etwas gebessert – aber auch dann eher noch in der Landschaft der Medien- und Internet-Branchen. In der breiten Bevölkerung und bei vielen Mittelstandsunternehmen gelten immer noch die konservativeren Vorstellungen des Unternehmers, der keine Fehler machen darf.

 

Wer Erfolg will, muss Fehler machen und das Gelernte zur Verbesserung der Produkte nutzen.

 

Startups sind erstmal auch Test-Unternehmen und Test-Konzepte. Und da gehören auch gegebenfalls einige „Testreihen“ dazu.

Wer gründet, muss bereit sein, ggf. eine Reihe von Gründungen zu machen oder sein Unternehmen immer wieder neu zu erfinden. Ein Konzept, welches bei den Unternehmen im Lande gerade erst erste Resonanz erhält, und welches erst langsam integriert wird: Etwa bei Otto mit dem 2014 gelaunchten Project Collins oder in den USA bei Facebook oder auch auf vorsichtigerem Wege das Medienhaus Gruner & Jahr mit der externen Abteilung (noch keine eigene Firmenform) Greenhouse Innovation Lab.

 

Corporate Spinoffs sind ein wichtiges Business Development-Modell.

Man muss sich als Führungsteam eines Mutter-Unternehmens allerdings auch trauen, diese „Business-Kinder“ auch frei laufen lernen zu lassen, inklusive des Fehler-machens.  Ein wichtiges und spannendes Thema. trendquest veranstaltete bereits im August 2015 den trendtalk (41) „Startup! – Konzern-Innovation durch Ausgründung“. Ausgründung ist eine Chance für Unternehmen, um Innovation zu lebne und sich ggf. in Teilen neu zu erfinden. Dieser Weg ist wirksamer als inhouse eingesetzte Innovationsteams, denn diese unterliegen dennoch of der internen Unternehmenshierarchie, mit dem Problem, dass die Innovations-Teams einer internen Abteilung ggf. Angst haben, Fehler machen zu dürfen.

Vor diesem Hintergrund, gerade mit den deutschen Entwicklungen und Mentalitäten, ist der Name „Fail Better Media“ sicherlich inhaltlich passend – und natürlich ein interessantes Wortspiel.

Dennoch: Gerade bei der Mutter eines Medien-Produkts, das eine breite Zielgruppe aufbauen will, zählt nicht der Hype innerhalb des eigenen Freundes- und Branchenkreises, und es zählt nicht das intern verstandene Wortspiel – sondern es zählt die Akzeptanz bei der breiten Gruppe als Leser und Konsumenten. Und da kommt das Unterbewusstsein der Menschen in ihrer Entscheidungsfindung ins Rampenlicht:

Über 95% unserer täglichen Entscheidungen sind eigentlich unbewusst gesteuert.

Sie werden durch gelernte und ererbte soziale Verhaltens-Faktoren beeinflusst. Dazu gehört auch die Frage der Wertevorstellungen einer Zielgruppe. Und wenn die Werte lauten: „Wer mich als Kunden gewinnen will, darf keine Fehler haben bzw. machen“ – dann will das Unterbewusstsein auch keine „Fails“ im Namen haben. Denn für diese konservative sicherheitsbedürftige Einstellung gibt es eben einfach nur Fehler, aber es gibt keine „besseren Fehler“. Und es gibt nur Verbesserungen – aber bitte keine Hinweise auf den Weg zur Verbesserung.

Substanz

Bei dem Magazin- und Startup-Relaunch, der hier der Anlass war, erscheint mir der Fokus auf den Magazinnamen „Substanz“ sinnvoll. Und ob dann im Hintergrund vielleicht ein beschreibender Name wie „Better Media“ wirksamer ist (oder ein Bild-, Kompositions- oder Kunstname, der gleich individuelle positive Assoziationen erlaubt [Airbnb, Opodo, Apple, Elbgold, Tesla, …] ), wird ggf. zu untersuchen sein.

Ich wünsche den beiden Gründern und dem Unternehmen auf jeden Fall einen superglücklichen Relaunch- und Neustart-Erfolg!

 

 

Testimonials

„Danke für Ihren sehr interessanten Vortrag und die Übersendung der Vortragsdatei. Mir hat besonders gefallen, dass sich ‚jemand um die Menschen kümmert‘.“
 
Rena Bargsten, mix Gesellschaft für Marketing- und Kommunikationswelten mbH

Events


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