Interview Rob Fielitz - Neuer Beruf: Lobbyist und Political Consultant

Interview zum Thema der wirtschaftsbezogenen politischen und strategischen Kommunikation

Ergänzend zu unserem im März erschienenen Artikel zur Thematik der wirtschaftsbezogenen politischen und strategischen Kommunikation hier für Sie ein Interview mit dem politischen Berater Rob Fielitz.

Der politische Berater fasst im Rahmen seines Aufgabenfeldes für seine Unternehmens-Kunden und deren Entscheider-Ebene nötige Informationen zusammen, erstellt Übersichten über Trends und konzipiert Handlungsszenarien und Strategien und ist derart aktiv bis hin zur Beratung in aktuellen Kommunikations- und PR-Fragen.

Ergänzend zum Artikel konnten wir daher für Sie einen Interviewtermin mit dem Politik- und Strategie-Berater Rob Filitz von rf medien vereinbaren.

Lesen Sie hier im Folgenden weiter unten das komplette Interview mit Herrn Fielitz...

trendquest (tq): Lieber Herr Fielitz, vielen Dank für die Gelegenheit zu diesem Interview.

Rob Fielitz (RF): Sehr gerne. Ich freue mich auf das Gespräch und die Gelegenheit, mit Ihnen zu sprechen.

tq: Das Thema der politischen und strategischen Beratung wie auch der Lobby-Arbeit ist, wie es aussieht, im Aufwind.
So lasen wir zuletzt in der Presse Berichte über den Aufbau intensiver Lobbyarbeit seitens Google im Rahmen der Positionierung in der EU. Haben Sie davon gehört?

RF: Das stimmt. Gerade deutsche Unternehmen und Unternehmen, die ihren Sitz hier haben, erkennen immer stärker, welche Bedeutung politische und strategische Kommunikation haben. In anderen Ländern gehört diese Art der Kommunikation schon seit Jahren zum Tagesgeschäft.
Für Google ist insbesondere die europäische Politik sehr entscheidend, und aus diesem Grund wird sich das Unternehmen entschlossen haben, hier Schwerpunkte zu setzen.

tq: Das bedeutet, am Beispiel Google, dass solche Berufsfelder - wie in einer aktuelle Stellen-Auschreibung bei Google wie zB für den "European Policy Counsel - Berlin" zu sehen - in Zukunft für Unternehmen normaler werden dürften.

Zitat aus der Presse: "Die EU-Lobbyisten sollen für Google Themenfelder wie Datenschutz , Inhaltekontrolle und Meinungsfreiheit, Urheberrechte sowie Technologie besetzen und an der politischen Willensbildung mitwirken. Auch beim Thema Netzneutralität steht Google vorne in der Debatte."

Ist das nicht konträr zu einer gewissen gebotenen Neutralität der Politik? Wie stehen Sie zu dieser Frage?


RF: Es geht nicht darum, die Neutralität der Politik zu gefährden oder zu schwächen. Sondern durch die politische Interessensvertretung der einzelnen Unternehmen soll und wird eine Meinungsbildung vorgenommen. Es wird also versucht, politische Entscheidungen durch Fachwissen und Erfahrungswerte aus der Wirtschaft zu konkretisieren.

Der Bereich Lobbyismus lässt sich sehr gut an folgenden Beispiel aufzeigen: „… Dabei ist der ursprüngliche Gedanke des Lobbyisten ein ganz anderer, schließlich entstand der Begriff in einem sehr positiven Umfeld: Vor mehr als hundert Jahren besuchte ein Gast eine Bar des Willard Hotels, das ganz in der Nähe des Weißen Hauses lag. Der Gast kam immer zur Happy Hour, hieß Ulysses S. Grant und war von Beruf der 18. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika (1869-77). […] Im Vorraum, englisch: lobby, kamen deshalb Abend für Abend Personen auf ihn zu, um mit ihm in lockerer Atmosphäre über ihre Probleme und Wünsche zu reden. Grant bezeichnete diese Leute als Lobbyisten. […] Lobbyismus funktioniert auf großen und auf der kleinen Ebene und ist am Ende nichts anderes als ein Versuch, die richtigen Menschen zusammenzuführen und Entscheidungen voranzutreiben…“

tq: Das klingt gut. - Wie kommen denn Sie nun zu diesem Berufsfeld, was ist Ihr beruflicher Werdegang als Berater?

RF: Ich war von 1999 bis Ende 2000 persönlicher Referent und Büroleiter von Jürgen W. Möllemann (Vizekanzler a.D. und Bundesminister a.D.) und habe anschließend bei einer der führenden Topten-Agenturen den Bereich Public Relations , also das Handwerk der Öffentlichkeitsarbeit, erlernt, bis ich mich dann Mitte 2003 mit meiner eigenen Agentur selbständig gemacht habe.

tq: Hat Sie Ihre Zeit bei Jürgen W. Möllemann maßgeblich beeinflusst?

RF: Sicherlich. Gerade für eine politische Persönlichkeit wie Jürgen W. Möllemann zu arbeiten, ist nicht nur eine Bereicherung an Erfahrungswerten, sondern auch deshalb, weil man in dieser Funktion zu seinen engsten Mitarbeitern gehört und somit das politische Geschäft in aller Professionalität gestalten kann.

tq: Was hat Sie denn dazu bewogen, den Beruf des Beraters zu wählen?

RF: Ich möchte es mal so beschreiben: Ich habe durch die Verknüpfung der Bereiche, in welchen meine Agentur tätig ist, die Möglichkeit, zwischen der politsch-strategisch-inhaltlichen Welt und der kreativen Agenturwelt tätig sein zu können. Ich verwende sehr gerne das Gleichnis: Es ist eine Mischung aus Grauem Anzug und zerrissener Jeans - also inhaltlichen Themen und kreativen Konzepten.

tq: Interessanter Vergleich...

RF: Der Vergleich macht es sicherlich etwas anschaulich und darstellbar.

tq: Die Entwicklungstendenzen in Ihrem beratenden Berufsfeld sind stark wachsend, wenn ich es so richtig einschätze.
Sind Sie international, EU-weit oder national tätig?
Und auf welche Quellen greifen Sie zurück?


RF: Hauptsächlich agieren wir auf den einzelnen Landesebenen, der bundespolitischen und der europäischen Ebene - was aber natürlich an dem Kunden und Auftraggeberkreis liegt.

tq: Beratung fußt auf Recherche und Quellen - woher beziehen Sie Ihr beratendes Know-how?

RF: Hauptsächlich auf Quellen... persönliche Kontakte und natürlich auf entsprechende Vorbereitung: Also Recherche, welche durch meine Agentur, meine Mitarbeiter geliefert wird.

tq: Was ist mit den offiziellen Politik-Quellen, wie beispielsweise politikagenda.de, politikportal.eu, zukunftskolloquium.de oder die DeGePol (der Deutschen Gesellschaft für Politikberatung e.V.) ?
Sind diese für Sie relevant?


RF: Es sind Kommunikations- und Kontaktplattformen, die mit Sicherheit ihre Daseinsberechtigungen haben. Ich bin auch mitglied der DeGePol. Dennoch ist das Einzelgespräch der direkteste Kommunikationsweg.

tq: Dürfen Sie uns verraten, für welche Unternehmen Sie tätig sind?

RF: Grundsätzlich, also rechtlich, dürfte ich verraten, wer meine Auftraggeber sind. Ich möchte diese aber nicht öffentlich bekannt geben, da gerade der Bereich Politische und Strategische Kommunikation ein Bereich ist, in welchem Vertrauen und Verlässlichkeit höchste Priorität haben. Ich bitte hierfür um Verständnis.
Es gibt natürlich andere, die ihre Kundenlisten veröffentlichen. Ich halte das aber für keinen ethisch-moralischen Stil.

tq: Welchen Effekt oder welche Effizienz hat Ihre Tätigkeit?

RF: Da es in dem Bereich der politschen und strategischen Kommunikation vor allem um Interessensvertretung geht, ist das schwer zu bemessen. Es ist im Grunde ein Informationsaustausch. Also das Wissen von Fakten.

tq: Würden Sie der These zustimmen, Deutschland habe hinsichtlich der Beratung durch Think-Tanks wichtige Entwicklungen verschlafen? (Quelle: degepol Deutsche Gesellschaft für Politikberatung, 5. Zukunftskolloquium, 28. Februar 2006)

RF: Grundsätzlich ja. Deutschland, bzw. Unternehmen mit ihrem Ssitz in Deutschland, haben spät erkannt, welchen Vorteil sie durch eine gute Kommunikationsstrategie haben können. Dazu zählt natürlich auch die politische Kommunikation.

tq: Wenn Sie die ökonomischen Trends der letzten 5 und 10 Jahre betrachten:
Was hat sich für die wirtschaftliche und politische Situation in Deutschland geändert?
Wo ist der Beratungsbedarf gewachsen, gibt es dort Branchenunterschiede?


RF: Alleine durch die Bedeutung der europäischen Politik hat es eine Verschiebung der Prioritäten gegeben.

tq: Welchen Einfluss hat Globalisierung auf Ihren Beruf und Ihre Thematik?

RF: Gleichzeitig sind für viele Unternehmen auch Entwicklungen in anderen Ländern nicht außer acht zu lassen. Investitionen werde schon lange nicht mehr aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht beleuchtet.

tq: Sondern...?

RF: Politische Faktoren spielen eine stärkere Rolle. Wie ist z.b. die gesamtpolitische Lage in dem Land, in welchem die Unternehmung Investitionen anstrebt?
Die Globalisierung der Märkte wirkt sich natürlich auch auf den Beratungsbedarf der jeweiligen Unternehmen aus. Alleine der Faktor "Planungssicherheit" ist sicherlich in europäischen Raum ein anderer als in China oder Südamerika.

tq: Der Berater wächst somit zum entscheidenden Management-Faktor .. ergänzend oder anstatt interner Beraterstäbe der Unternehmen...

RF: Aus meiner Sicht kann ein Berater in diesem Feldern nur ergänzend zu den internen Stäben der Vorstände oder des Managements sinnvoll agieren.

tq: Das klingt sinnvoll.

tq: Darf ein diskreter Berater als Person in der Öffentlichkeit stehen?

RF: Warum sollte er das nicht dürfen. Die Frage ist, mit welchem Image er in der Öffentlichkeit steht.

tq: Wer Sie in Google sucht, findet Sie in den ersten 10 Links viermal bei tag7, dreimal in Links zu Sites der FDP Bergheim, einmal im GHH-Jahresbericht, einmal bei OpenPR mit Ihrer Tätigkeit für SMART events und einmal bei Ihrer eigenen Agentur rf-medien.de.

Ist es ok für Sie, dass rf-medien in Google nicht an erster Stelle steht? Inwiefern sind Sie als Politisch-Strategischer Berater für die anderen genannten Projekte aktiv?


RF: Grundsätzlich habe ich damit kein Problem. Die Agentur rf medien besetzt insgesamt 5 Bereiche: Politische Kommunikation, Strategische Kommunikation, Medienmanagement, Kommunikationsformate und VIP-Hospitality. Somit "tauchen" wir natürlich in erster Linie mit den anderen Bereichen auf, da ich, wie schon erwähnt, keine Auftraggeber oder Kunden in den Bereichen der politischen und strategischen Kommunikation kommuniziere.

Für die Stiftung "Haus der Behinderten Bonn - Gustav-Heinemann-Haus (ghh bonn)" verantworte ich als Person den gesamten Bereich der Kommunikation der Stiftung und bin zusätzlich direkter Beauftragter der geschäftsführenden Vorstandsvorsitzenden. In der befreundeten Kölner Agentur SMARTevents habe ich als freier Mitarbeiter insbesondere die Bereiche Strategische Planung, Kommunikationsformate und New Business unterstützt. Darüberhinaus hat rf medien dort im Bereich VIP-Hospitality bei deren Veranstaltungen unterstützt.

tq: Und gibt es Berührungspunkte zu anderen politischen Berater-Firmen? Oder schirmt man eher die eigenen Wege voneinander ab?

RF: Es gibt sehr gute Kontakte zu anderen Agenturen und Personen, die sich im beratenden Umfeld der politischen Kommunikation bewegen. Ich habe zum Beispiel mit einer befreundeten Agentur in Offenbach das Aagenturnetzwerk "politicalrelations" gegründet und arbeite auch sehr eng mit einer Berliner Agentur zusammen.

tq: Der Beruf als Netzwerk sozusagen?

RF: Es gibt also sehr viele Berührungspunkte zu vielen Agenturen und Personen innerhalb der Branche. Ich kann natürlich nur von mir, meiner Person und meiner Agentur sprechen, aber ich bin davon überzeugt, dass ein funktionierendes Netzwerk die Grundvorraussetzung ist.
Frei nach dem Satz: Man kennt sich, man duzt sich...

tq: Das klingt so, als sehen Sie Ihr Business auch für die fernere Zukunft als gesichert an...

RF: Naja, ich gehe natürlich davon aus, dass sich rf medien auch in den nächsten Jahren positiv entwickeln wird.

tq: Wo sehen Sie Deutschland wirtschaftlich und global-politisch in den nächsten 5-6 Jahren?

RF: Da sich Deutschland derzeit auf viele Bereiche bezogen in einer starken Reformphase befindet und diese Bereiche auch Auswirkungen für die Wirtschaft innerhalb Deutschlands haben - wie z.b. Unternehmenssteuerreform, Mindestlohnfrage, ... - wird sich Deutschland auch entwickeln. Die Konkurrenten sind nicht mehr nur im Inland und europäischen Ausland, sondern eben global zu finden.
Die Politik kann und muss hier Rahmenbedingungen schaffen, aber die Wirtschaft sollte die Freiheit behalten, ihren Markt selbst regeln zu können.

tq: Ihr Berufsbild beinhaltet einiges an Verantwortung.
Welche Rolle spielt da die vieldiskutierte Political Correctness für Sie in Ihrer beratenden Funktion?


RF: Ich persönlich halte es für sehr wichtig und sehe auch Entwicklungen, dass gerade Ethik wieder mehr Einzug in die Managementetagen nimmt.

tq: Herr Fielitz, das wollen wir gerne als Schlusswort wahrnehmen. Vielen Dank für dieses Gespräch.

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