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Branchentrend “Word of Mouth Marketing” – Experten-Gespräch (5)

Interview und Expertengespräch
Wandel im Marketing, Branchentrend Word of Mouth Marketing
Interview und Expertengespräch mit Torsten Panzer, Geschäftsführer Buzzer Germany

5. Teil: Zukunft Word of Mouth Marketing, Erfolgsbelege und Messbarkeit, Ausblick



Wenn Sie mich nach der Zukunft fragen, so sieht man heute schon die Veränderungen durch die neuen technischen Möglichkeiten. Diese ermöglichen den Leuten einen viel einfacheren Austausch von Meinungen in einem viel größeren Maßstab. Stichwort „Crowd-Sourcing“ zum Beispiel: Die Leute schreiben ihre Erfahrungen ins Netz, welche andere Leute lesen, die dadurch auf eine neue Idee kommen oder sogar stückweit einen neuen Aspekt hinzufügen. Das wird wiederum von anderen Leuten am anderen Ende der Welt über Internet aufgefunden. Und so entsteht quasi ein sich selbstentwickeltes System. Wikepedia ist auch ein schönes Beispiel dafür. Wenn da etwas Falsches drinsteht, wird das von anderen ohne Bezahlung korrigiert…

TQ: Dann braucht es ja Ihre Firma gar nicht…

TP: Entschuldigung?…

TQ: Dann braucht die Branche ihre Firma in Zukunft nicht mehr, wenn sowieso alles von alleine läuft.

TP: Das wird die Zukunft zeigen, aber alleine läuft nur das Prinzip und deshalb glauben wir, dass man doch unsere Firma braucht, denn wir organisieren und multiplizieren diesen immer funktionierenden Effekt bzw. dieses Prinzip strategisch.
Als Beispiel: Wenn wir eine Buzzer-Kampagne machen, dann organisieren wir das funktionierende System mit vielen Teilnehmern, da dies somit sehr viel schneller geht und auch mehr Menschen erreicht.

TQ: Ich habe das Gefühl, dass wir da noch nicht ganz auf dem Punkt sind.
Wir haben die Frage gestellt, wie sieht es in Zukunft aus?
Das Ganze basiert auf einem natürlichen Prinzip, und es wird sich noch weiter entwickeln. Aber, was mich interessiert und ich denke, auch ihre potentiellen Kunden und natürlich die Kunden von trendquest, und die Leute, die dies Interview auf der trendquest Website lesen: Wie sieht es denn dann in 5 Jahren aus?
Was ist Ihr persönlicher Wunsch oder Ihr Ziel für Ihr Unternehmen in 5 Jahren bzw. was ist Ihre Vorstellung?

TP: Genauso wie die Leute sich allgemein regelmäßig weiterentwickeln und neues lernen und so wie die Zukunft sich entwickelt, so werden auch Werbetreibende und Agenturen lernen, dass es eine sehr starke Verschiebung von eben diesem alten Sender-Empfänger-„Push“- Marketing hin zu dialogorientiertem WOM-basierten Marketing geben wird. Das ist nicht nur meine Meinung, es wäre auch mein Wunsch, denn so wird Marketing für alle besser werden.
Wir machen damit auch die Welt sozusagen ein Stück besser.
Denn wer möchte gerne gezwungen werden, wer möchte gerne gepushed werden, wer möchte gerne manipuliert werden?!
Das sind ja alles negative Sachen, die, wenn wir mal ganz ehrlich sind, in der Werbung, in der Kommunikation, im Marketing jeden Tag stattfinden.
Und ich glaube, dass die Entwicklung stark dahin geht, dass Leute eben das nicht mögen. Durch die ständige Weiterentwickelung der Menschen und der neuen technischen Möglichkeiten wird es immer mehr Leute geben, die dem widerstehen und sich auch dieser neuen Produktmarketing-Möglichkeiten bedienen.
Deswegen werden auch Werbung, Produzenten und Marken immer stärker dahin gehen, eben nicht mehr einfach alte Prinzipien anzuwenden, sondern Geld vielleicht auch in dieses neue Prinzip investieren.

TQ: Gibt es irgendetwas, das Sie vermissen, wo Sie sagen würden „das hätte ich gerne heute schon“, als Feature, als Funktion oder als Prinzip?

TP: Das ist auch eine schwierige Frage. Was ich gerne hätte, und was auch natürlich gerade von den Werbetreibenden, sprich: der Industrie und den Marken, nachgefragt wird, ist eine bessere Messbarkeit. Es ist sehr schwierig, nach wie vor die Effekte über zwei Generationen hinaus zu messen. Das kennt auch der Volksmund und nennt es zum Beispiel: „Ich habe es um drei Ecken rum gehört“.
Das heißt, wir können messen, was der Buzzer dem sogenannten Buzzee erzählt, also dem Empfänger, mit dem er spricht. Da fragen wir den Buzzer nach seinen Angaben - aber was dann derjenige mit dem er um drei Ecken herum gesprochen hat, tut - sozusagen die 2. Generation - das können wir nicht mehr direkt messen.
Wenn es da durch neue technische Möglichkeiten die Wege gäbe, wie man das Gespräch, das vielleicht auch online stattfindet, im positiven Sinne weiter verfolgen kann, dann wäre das sicherlich etwas, das auch der Industrie und diesem Business sehr viel Auftrieb geben würde. Denn viele Kunden wollen natürlich Erfolgsbelege haben.
Denn das ist zurzeit noch sehr schwierig.

TQ: Das glaube ich. Kann man da möglicherweise mit den Leuten einen Deal machen, dass sie täglich irgendwie eine Art Logbuch führen oder ein internes Webblog oder so was in der Richtung. Könnte das vielleicht eine Option sein?

TP: Ja. Ich denke das ist ein Problem, an dem auch viele andere arbeiten.
Wir haben das gleiche Problem auch im Bereich „Social Media“. Die Denkweise der Werbetreibenden, sprich der Marken und der Industrie, ist nach wie vor noch auf dem alten Modell von Reichweiten aufgebaut. Sie wollen wissen, welche Reichweite, welche Kontaktzahlen, wie viel Effekt sie für ihr Geld damit erreichen.
Das Problem ist, dass über 40 Jahre und noch länger gelernt wurde, wie Print und TV funktioniert und die glauben daran, dass es da halt bestimmte Zahlen hat. Die Wahrheit ist, dass die TV-Quote in Deutschland in einem Dorf in Hessen, glaube ich, gemessen wird und dann statistisch für Gesamtdeutschland hochgerechnet wird.
Das ist die Realität. Trotzdem glaubt jeder eben dieser Quote, die am nächsten Tag über eine Sendung oder einen Werbespot in der Zeitung steht.
Im Endeffekt sind das statistische Funktionen, die da berechnet werden. Weil man das aber über Jahrzehnte gelernt hat, glaubt man daran. Ich will nicht sagen, dass sie falsch sind aber es sind Statistiken. Genauso können wir auch statistisch hoch rechnen, wie wahrscheinlich es ist, dass jemand etwas um drei Ecken herum weiterempfiehlt oder wie wahrscheinlich es ist, dass auf Grund von einer bestimmten „Social Media“-Aktion (weil jemand in einem Blog oder Forum etwas gepostet hat), etwas Positives passiert. Das Problem ist, dass das Thema „Social Media“-Marketing wie auch WOM-Marketing noch neu ist und noch erforscht werden muss.
Das müssen dann vor allen Dingen die Leute, die dafür Geld bezahlen, auch glauben und verstehen.

TQ: Welche Auswirkungen hat WOM-Marketing jetzt schon oder wird es auf andere Branchen von Marketing bis hinzu Firmen haben?
Welche Auswirkungen wird WOM-Marketing auf unsere Welt haben?

TP: Ich hoffe, es hat einen sehr positiven Einfluss auf unsere Welt.
Ich habe es eben schon kurz angedeutet: Ich glaube, dass wir alles lieber mögen, als manipuliert werden. Es ist viel angenehmer, wenn wir nicht gezwungen werden, indem wir bezahlt werden oder indem uns bauf subtile Weise irgendwelche Botschaften untergeschoben werden. Es ist angenehmer, zu sagen, „Ich interessiere mich für das und jenes, wenn es in meinem Freundes- und Bekanntenkreis jemanden gibt, der dazu Erfahrung hat, der dazu Know-How hat.“ Diese Leute wird man dann danach befragen bzw. sich etwas von ihnen empfehlen lassen und dann auch basierend auf seinen eigenen Überlegungen vielleicht etwas kaufen oder etwas tun. Das ist doch eine viel angenehmere Situation als über den Time Square zu gehen und sozusagen erschlagen zu werden von zehntausenden von Billboards, auch wenn es vielleicht nett aussieht.

TQ: Das ist ein guter Punkt. Ich glaube, dass wir die Billboards trotzdem behalten werden, weil sie für die Leute auch eine Art dekorativen Aspekt bekommen haben. Plakate signalisieren, kommunizieren und zementieren in gewisser Weise einen bestimmten Lifestyle.
Aber ich denke auch, dass es dann einen ganz allgemeingesellschaftlichen Impact geben wird. Aufgrund unserer Trenderkenntnisse sehen wir, dass das WOM-Marketing die Marketinglandschaft selbst komplett verändern wird, die Arbeit der Dienstleister von der klassischen Agentur bis hin zur Konzeption und zu der Umsetzung für Kunden …

TP: … Mediaplanung ist noch ganz wichtig…

TQ: … Die Mediaplanung wird sich auch verändern… Okay, es sieht eigentlich nach einer grandiosen Zukunft aus, oder?

TP: Das hoffe ich und ich gehe davon aus, dass es starke Veränderungen geben wird.
Wir als Buzzer sind jetzt seit viereinhalb Jahren dabei und wollen diesen Trend auch weiter mitgestalten und mitprägen.

TQ: Ein Schlusswort: Welche Empfehlungen geben Sie dem deutschen Mittelstand oder den deutschen Unternehmen?

TP: Oh, das ist natürlich sehr schwierig zu pauschalisieren. Wenn Sie auf Marketing anspielen, würde ich den Leuten raten, WOM mal auszuprobieren und zutesten. Dann kann man aus Erfahrung sprechen und wieder weiter empfehlen. Das ist dann genau das Prinzip, das wir selber anwenden und auch für Marketingtreibende anbieten.
Denn ich kann hier viel erzählen, doch am besten sollten es die Firmen einfach mal selber versuchen. Man muss nicht direkt mit einer Millionen-Kampagne starten, aber man kann einen kleinen Testballon machen und ich bin davon überzeugt, dass es funktioniert.
Ich empfehle es den Leuten, es selber ausprobieren.


TQ: Könnte man nicht eine Testkampagne vom Buzzer über die Buzzerplattform antesten?

TP: Ja, das könnte man sicherlich antesten, wir sind dazu auch bereit. Wie alle Leute, die ein Geschäft betreiben, können wir das Geschäft nicht umsonst betreiben, also verlangen wir auch etwas dafür, denn wir müssen unser Leben finanzieren.
Zum Marktstart in Deutschland sind wir aber bereit, den interessierten Kunden, die spannende Produkte haben, und bei denen sich WOM auch anbietet, „Special-Offers“ zu unterbreiten. Wir würden gegen relativ geringe Budgets einen Testballon wagen.

TQ: Herr Panzer, vielen Dank. Ich freue mich auf die Zukunft.

TP: Vielen Dank für das Interview.





1. Teil: Branchentrend Word-of-Mouth-Marketing - ein uraltes soziales Prinzip

2. Teil: Interview und Experten-Gespräch zwecks Brancheneinblick

3. Teil: Effizienz, Suchmaschinenoptimierung, Sample Läden, Bienen und Blumen

4. Teil: Word of Mouth und Klassische Werbung im Vergleich, gelebte Werbespot-Szenen, neue Rechtsprechung in den USA

5. Teil: Zukunft Word of Mouth Marketing, Erfolgsbelege und Messbarkeit, Ausblick

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