Ergänzung zu: Gibt es die Psychologie-Bombe? Zur Zukunft von Marketing, Politik & Co in Zeiten der Psychometrik & Behavioral Economics

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Vor wenigen Tagen war er in Hamburg:

Alexander Nix, CEO der vieldiskutierten Firma Cambridge Analytica. Als Vortragssprecher in Hamburg eingeladen, hielt er beim Digital Marketing-Kongress „Online Marketing Rockstars/OMR17“ einen eher einseitigen Vortrag. Die naheliegende Frage ist: War die Einladung von Alexander Nix als alleinigen Speaker zum Thema auf der OMR17 sinnvoll? – Es fehlte unter Anderem der psychologisch-fachliche Counterpart in der Diskussion vor Ort.

Zudem wurde über dieses kritische Thema leider auch vorab teils unvollständig berichtet.
(ergänzend dazu: Blogpost vorab zur OMR: „Gibt es die Psychologie-Bombe?… ” http://trendquest.eu/pnb17 ),

 

Hier meine kurze Kritik zum Thema und zur Berichterstattung:

Die Berichterstattung in den Medien erscheint leider in der Recherche oberflächlich und tendenziös. Das zeigt sich im Blick auf die bisherige öffentliche Debatte zu Cambridge Analytica, zu deren Ethik und zur Glaubwürdigkeit von deren Vorgehensweise. Damit bekommt man den Eindruck, dass die von nahezu allen Autoren und Kommentatoren geübte Kritik eher etwas einseitig angegangen wurde.

Dazu 5 Beispielpunkte:

1. Ted Cruz‘ Absage an Cambridge Analytica:

Wie sich herausstellte, nutzte Cambridge Analytica den Cruz-Auftrag als Live-Test- und Ausbauphase. Dass das Ted-Cruz-Team dieses Vorgehen verständlicherweise nicht gut fand, ist klar: man hatte ihnen mehr versprochen als da war. Im nachhinein waren dann mithilfe der Cruz-Gelder CA’s Software und Datenbank nachträglich effizienter. Einige Info dazu findet man im englischsprachigen News-Web.

 

2. Kritik an Psychometrik und Psychographik und an den Fähigkeiten der Methodik:

Diese Kritik vernachlässigt unter Anderem den Forschungsstand von 2017. Stattdessen beruht die Psychometrik-Kritik eher auf den Urteilen zur Psychometrikforschung aus Vor-Computerzeiten: Damals hatte man zwangsläufig weniger valide Werte erarbeiten können – nur mit reiner Manpower (ohne intelligente Softwares und Big-Data-Analysen!) kaum anders möglich. In Zukunft werden Analysen und psychometrische Methoden zunehmend mit Methoden und selbstlernenden Systemen der Künstlichen Intelligenz verbunden. Sie werden damit noch weiter wachsende Effizienz zeigen.

 

Und der wichtigste Punkt der öffentlichen Diskussion:

3. Es fehlt die Stimme der fachlichen Experten.

Wenn man sich einen Überblick über die kritische Debatte in den Medien verschafft, fällt Folgendes auf:

  • In den öffentlichen breitenwirksamen Medien haben bis dato eigentlich fast nur Männer kommentiert und kritisiert. Zudem kommen diese auch noch nahezu komplett aus den Anwenderbranchen: Dabei sind z.B. Medien, Presse und Verlage, Blogger, Dienstleister aus Marketing und Social Media, sowie Politik. Alle diese sind zudem auch noch die Kundenbranchen der Anbieter von verhaltens- und psychologiebasierten Targeting-Lösungen (Psychometrics, Behavioral Economics, Microtargeting, Nudging etc.).
  • Zur Sprache kamen jedoch interessanterweise fast keine Frauen.
  • Wer nahezu total fehlte:
    Im Rahmen der öffentlichen Debatte in den Medien fehlten die speziell fachlich ausgebildeten Experten der Forschungen, die dieses Wissen und dessen Anwendung überhaupt erst möglich gemacht haben. Die Experten der Bereiche Behavioral Economics bis Strategische Psychologie und entsprechender verwandter Disziplinen kamen kaum mal zu Wort.

 

4. Datenquellen und Facebookdaten:

In der öffentlichen Kritik wurde oft Facebook als einzige Quelle für die Arbeit der Cambridge Analytica benannt. Leider fehlt da die Hälfte der Fakten: Zusätzlich zu den Facebookdaten wurden viele weitere Persönlichkeitsdaten der US-Wähler aus unterschiedlichsten öffentlichen und privaten Datenbanken hinzugezogen. Das geht in den USA recht leicht, da der Datenschutz weniger streng angsetzt ist als in Deutschland. (Dennoch sind ähnliches Anlyseergebnisse und Microtargeting-Profile auch in Deutschland erzielbar).

 

5. Sehr Viele äußerten dann diese Kritik:
“Das Ganze war doch eher nur ein Werbecoup! (mehr nicht)”

Der Werbevorteil ist sicherlich dabei. Dennoch: Die grundlegende Frage ist in Fachkreisen längst klar beantwortet:

F: „Ist psychologisches Microprofiling und gezieltes Microtargeting sowie die breite und dennoch gezielte Manipulation von Bevölkerungsgruppen überhaupt machbar?“

A: „Ja. Das ist machbar.“

Ausgehend vom fachlichen Hintergrund ist sehr Vieles davon bereits heute möglich – und auch im Einsatz. Die Fortschritte der letzten 10 – 15 Jahre in Psycho- und Neurologie, Sozial- und Verhaltensforschung sind immens gestiegen – auch dank einer sehr aktiven internationalen Wissenschaftscommunity (allein der Bereich Behavioral Economics wurde im internationalen Rahmen bereits erfolgreich seitens vieler Firmen und auch Regierungen eingesetzt, auch um etwa soziale Herausforderungen besser lösen zu können).

Doch diese Entwicklung bringt neben ihrer steigenden Effizienz für Marketing und Kommunikation (über die Vorteile mehr bei einem der Hamburger trendtalks von tq.) neue Herausforderungen an Verantwortung und Ethik.

So ermöglichen diese Technologien neue Potenziale und Chancen für Verbesserungen in Gesellschaft und Wirtschaft. Fundierte Beispiele dazu liegen vor. Die Risiken wurden und werden ebenfalls viel diskutiert.

 

Vorteile und Nutzen für die Wirtschaft und für unsere Gesellschaft

Da das Thema nun in der breiteren Öffentlichkeit angekommen ist:

Wir sollten auch die Vorteile (nicht nur die Risiken) im Fokus behalten, deren Möglichkeiten beachten – und auch verantwortungsvoll nutzen. Gerade die ethischen Werte, die uns Menschen bewegen, sind dadurch stützbar. Auf dieser Basis ist etwa bessere Kommunikation und Werbung planbar, somit auch effizientere Planung für Unternehmen und Startups.

Und auch für öffentliche und soziale Projekte gibt es Vorteile:
Im Bereich Soziales kann Bürgerengagement effizienter gemacht und unterstützt werden.
Ebenso tun sich für Bildungsinstitutionen effizientere Wege der Wissensvermittlung auf. Und es gibt einige weitere Möglichkeiten.

Verantwortungsvolle Anwendung dieses Wissens und dieser neuen Methoden kann damit auch unsere gemeinsame Zukunft sicherer planbar machen.

 

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“Vielen Dank für die Studie – prima und auch gut weiterverwertbar. Habe schon dreimal daraus zitiert.”
Dr. Antje von Rein, Presseleitung, Hamburger Volkshochschule

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